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Triggerpunkte – Auslöser chronischer Schmerzen

Triggerpunkte sind dauerhaft verkürzte und geschwollene Muskelfasern, die meist durch Überanstrengung oder Verletzungen entstehen und Schmerzsignale aussenden, die in andren Regionen des Körpers wahrnehmbar sind. Da das Skelett und die Muskulatur zusammenhängen, ziehen diese Faserverdickungen mit der Zeit wie ein überspanntes Seil am Knochen und bringen so den Körper in ein Ungleichgewicht. Die Folge sind Fehlbelastungen und Schmerzen des Bewegungsapparates, die dann als Bandscheibenvorfall, Blockade, Abnutzung oder Arthrose diagnostiziert werden. Auch eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit, eine erhöhte Anfälligkeit für Verletzungen und Nervenentzündungen können auftreten.

Der amerikanischen Forscher Jay Shah konnte in Schmerz-Triggerpunkten vermehrt verschiedene Entzündungssubstanzen nachweisen. Der pH-Wert des Gewebes war deutlich erniedrigt, es lag also eine Übersäuerung vor. Nach der Behandlung der Triggerpunkte reduzierte sich die Konzentration dieser Entzündungssubstanzen drastisch und der pH-Wert normalisierte sich wieder, das heißt die Übersäuerung ließ nach. Diese Neurophysiologie der Triggerpunkte hilft, die Entstehung chronischer, therapie-resistenter Schmerzen zu verstehen.

Die Entzündungssubstanzen im Triggerpunkt-Gewebe machen nicht nur die Schmerzbahnen im Muskel überempfindlich, sie verändern auch das Verhalten von Schmerzbahnen, die normalerweise gar nicht wahrgenommen werden. Durch den ständigen Signalstrom aus den Trigger-Bereichen in die Schmerzbahnen werden diese von einem Moment auf den anderen zu aktiven Schmerzleitungen, die zusätzliche Schmerzinformationen an das Gehirn senden. Leider ist die Verdrahtung anders als beim normalen Schmerzleitungssystem und das Gehirn ordnet dann z. B. einen Reiz aus einem Triggerpunkt eines Gesäßmuskels der Wade zu.

Schulmedizinisch könnte dieses Beispiel so weitergehen:

Erkennt der Arzt nicht, dass die Schmerzen ihre Ursache nicht in der Wade, sondern im Gesäßmuskel haben, beginnt eine Odyssee für den Patienten. Beinvenenthrombose, Muskelentzündung, Nervenschädigung, Wurzelreizsyndrom oder Bandscheibenvorfall sind einige der möglichen Diagnosen, die durch eine Vielzahl von Untersuchungen unter Zuhilfenahme von verschiedenen Fachärzten ausgeschlossen werden. Findet sich nichts, werden die Untersuchungen in gewissen Zeitabständen wiederholt, bis entweder Patient oder Arzt aufgeben. Dann weiß man zwar, was man nicht hat, die Schmerzursache bleibt aber weiterhin verborgen. Inzwischen werden verschiedene Therapien probiert, die sich meist auf die Wade direkt konzentrieren. Alles ohne Erfolg!

Das ist das typische Schicksal von Patienten mit chronischen, durch Triggerpunkte verursachten Schmerzen. Nur das Auffinden der Triggerpunkte und ihre Behandlung kann eine dauerhafte Schmerzfreiheit bewirken.

Lokalisation der Triggerpunkte

Dabei könnte so vielen geholfen werden, wenn Ärzte mit ihren Händen Muskeln, Wirbelsäule und Gelenke ihrer Patienten untersuchen würden, anstatt nur auf Röntgenbilder, Kernspintomographien, Ultraschall- oder Laborbefunde zu schauen. Bei einem Triggerpunkt würden sie harte und verspannte Muskeln mit außerordentlich druckempfindlichen Strängen und Knoten spüren, die bei längerem und kräftigere Druck Schmerzen an einer anderen Stelle im Körper auslösen. Genau die Schmerzen, die den Patienten oft schon seit Jahren geplagt und sich jeder Behandlung widersetzt haben.

Triggerpunkt-Spezialisten benutzen für diese Untersuchungen spezielle Instrumente (Goniometer), mit denen sie die Beweglichkeit der Wirbelsäule und aller Körpergelenke messen. Sie tun das, weil Triggerpunkte die Muskeln verkürzen und damit die Gelenk- und Wirbelsäulenbeweglichkeit einschränken.

Dass die Muskelverkürzung nicht lediglich Ausdruck einer seelischen Anspannung oder eines psychischen Problems ist, konnte in Tierversuchen nachgewiesen werden. Bei Ratten wurde die Wadenmuskulatur 30 bis 60 Minuten so stimuliert, dass sie sich ständig zusammenzog.

Abb. Experimentell erzeugte Sarkomerknoten

Unter dem Mikroskop fand man dann eine Vielzahl von Muskelfaserknoten und Muskelfaserrisse. Genau die Knoten, die man, nachdem sich viele von ihnen gebildet haben, tasten kann. Sie ziehen vom Inneren des Muskels und bringen ihn damit unter Spannung.

Die Folgen von Triggerpunkten

Als Folge nicht behandelter Triggerpunkte zeigen sich durch die asymmetrische Belastung  früher oder später Schäden an Wirbelsäule, Bandscheiben und Gelenken, die dann so deutlich auf den Röntgenbefunden, Kernspintomographien und Ultraschallbildern zu sehen sind. Durch wissenschaftliche Untersuchungen wissen wir, dass diese als Verschleiß, Abnutzung, Bandscheibenvorfälle und Arthrose bezeichneten Befunde und der Schmerz überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Sehr weit fortgeschrittene Fälle von Bandscheibenvorfällen und Arthrose gehen genau wie die Triggerpunkte mit einer Entzündungsreaktion einher, die irgendwann eine Operation unumgänglich macht, aber dies ist viel seltener erforderlich als gemeinhin angenommen.

Es wäre zu wünschen, dass bald jeder Arzt die immense Bedeutung der Triggerpunkte als Schmerzauslöser kennt und in seine differential-diagnostischen Überlegungen einfließen lässt. So würden die chronischen Schmerzpatienten endlich von der Schulmedizin ernst genommen werden und viele von ihnen schneller von ihren Leiden befreit.

In unserer Praxis bieten wir mit der Schmerz- und Triggerpunkt-Osteopraktik® eine jahrelang erprobte und äußerst erfolgreiche Therapie zur Behandlung von chronischen Schmerzen an.

Literatur

Die Beschreibung des Muskelschmerzes bezieht sich auf einen aktuellen Artikel von Prof. Siegfried Mense, Institut für Anatomie und Zellbiologie der Universität Heidelberg, im Deutschen Ärztblatt 2008: Mense S. : Muskelschmerz: Mechanismen und klinische Bedeutung. Deutsches Ärzteblatt. 2008; 105:214-20.

Dieser Artikel ist als pdf im Internet erreichbar unter:
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/pdf.asp?id=59409

Weitere Veröffentlichungen von Prof. S. Mense:

  • Mense S.: Besonderheiten des Muskelschmerzes im Vergleich zum Hautschmerz. Orthopädische Praxis. 2005; 41:410-5.
  • Mense S.: Mechanismen der Chronifizierung von Muskelschmerz. Orthopäde. 2004; 33:525-32.
  • Simons DG, Mense S.: Diagnose und Therapie myofaszialer Triggerpunkte. Schmerz. 2003; 17:419-24.
  • Mense S.: The pathogenesis of muscle pain. Curr Pain Headache Rep. 2003; 7:419-25.
  • Mense S.: Neurobiologie des Muskelschmerzes. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin. 2000.

Verschiedene Artikel über die Morphologie und Behandlung von Triggerpunkten:

  • Schoser BGH.: Myofascialsyndrom und Triggerpunkte – ein pathophysiologisches Konzept. Orthopädische Praxis. 2005; 41:416-20.
  • McPartland JM.: Travell trigger pointsmolecular and osteopathic perspectives. J Am Osteopath Assoc. 2004; 104:244-9.
  • Pongratz D.: Zur Morphologie von myofascialen Triggerpunkten. Orthopädische Praxis. 2006; 42:365-6.
  • Gerwin RD, Dommerholt J, Shah JP.: An expansion of Simons‘ integrated hypothesis of trigger point formation. Curr Pain Headache Rep. 2004; 8:468-75.
  • Travell J., Simons D.G.: Handbuch der Muskeltriggerpunkte, Band 1 und 2, Urban und Fischer, 2. Auflage. 2002
  • Gunn C.: The Gunn approach to the treatment of chronic pain: IMS for myofascial pain of radiculopathic origin.
  • Mense S., Simons D.G., Russell I.J.: Muscle Pain: Understanding its nature, diagnosis and treatment, 2001